E-Handwerk 2026: Was die aktuellen Branchenzahlen für Elektrobetriebe bedeuten

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26.5.2026
E-Handwerk 2026: Was die aktuellen Branchenzahlen für Elektrobetriebe bedeuten
10:11

Die Stimmung im Elektrohandwerk ist aktuell spürbar zurückhaltender als noch vor wenigen Jahren. Viele Betriebe merken das im Alltag ganz direkt: weniger Dynamik im Neubau, zurückhaltendere Investitionen und Kunden, die Investitionsentscheidungen häufiger verschieben.

Die aktuellen Branchenzahlen bestätigen genau diese Entwicklung. Nach Jahren des Wachstums verzeichnete das E-Handwerk 2024 erstmals wieder einen Umsatzrückgang. 2025 setzte sich diese Entwicklung fort. Gleichzeitig liegt der Geschäftsklimaindex laut ZVEH Frühjahrskonjunkturumfrage 2026 auf dem niedrigsten Stand seit über 15 Jahren.

Das allein beschreibt jedoch nur einen Teil der aktuellen Entwicklung.

Denn parallel dazu entstehen neue Geschäftsfelder mit konkreten gesetzlichen Fristen und entsprechendem Handlungsdruck, wachsendem Beratungsbedarf und langfristigem Auftragspotenzial für Elektrobetriebe.

Gerade deshalb lohnt sich aktuell ein genauer Blick auf die Branchenzahlen. Sie zeigen deutlich, welche Entwicklungen das Elektrohandwerk derzeit prägen und welche Themen für Betriebe in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.

Inhalt

Was die aktuellen Zahlen zwischen 2023 und 2026 wirklich zeigen

Über viele Jahre gehörte das Elektrohandwerk zu den stabilsten Wachstumsbranchen Deutschlands. 2023 erreichte die Branche mit 87,8 Milliarden Euro Jahresumsatz einen Höchststand.

2024 veränderte sich die Entwicklung erstmals deutlich. Laut den ZVEH Branchenkennzahlen sank der Umsatz um 4,0 Prozent auf 84,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig ging auch die Zahl der Beschäftigten in der Branche zurück. Damit traf die schwächere Marktentwicklung das E-Handwerk nicht mehr nur punktuell, sondern zunehmend strukturell.

Auch die vorläufigen Branchenkennzahlen für 2025 zeigen eine verhaltene Entwicklung. Es wird erneut ein Rückgang um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Diese Zahl basiert auf der vorläufigen Handwerksberichterstattung des Statistischen Bundesamts. Die endgültigen Werte für 2025 liefert die Handwerkszählung erst im April 2027. Die Zahl der Beschäftigten entwickelte sich weiterhin rückläufig.

Besonders sichtbar wird die aktuelle Stimmungslage in der ZVEH Frühjahrskonjunkturumfrage 2026. Der Geschäftsklimaindex liegt dort auf dem niedrigsten Stand seit über 15 Jahren. Nur noch 44,9 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre Geschäftslage aktuell als gut.

Vor allem der Neubau entwickelt sich deutlich schwächer als in den vergangenen Jahren. Sein Anteil am Gesamtumsatz liegt im Frühjahr 2026 nur noch bei 11,9 Prozent. Auch einzelne Bereiche rund um Sanierung und Photovoltaik zeigen derzeit weniger Dynamik.

Für viele Betriebe bedeutet das spürbare Veränderungen im Tagesgeschäft. Gleichzeitig zeigt sich jedoch auch: Das Elektrohandwerk verändert aktuell nicht nur seine Auslastung, sondern zunehmend auch seine Rolle im Markt.

Denn parallel zu diesen Entwicklungen entstehen neue Anforderungen rund um Ladeinfrastruktur, Energiemanagement, Gebäudesystemintegration und vernetzte Energielösungen.

 

Warum die nächsten Wachstumsmärkte bereits konkrete Termine haben

Während klassische Geschäftsfelder aktuell schwächer laufen, entstehen gleichzeitig neue Marktpotenziale mit konkreten gesetzlichen und technologischen Entwicklungen.

Besonders relevant ist dabei die geplante Verschärfung des Gebäude Elektromobilitätsinfrastruktur Gesetzes, kurz GEIG, ab Mai 2026. Künftig müssen bei Neubauten, größeren Renovierungen und teilweise auch bei Bestandsgebäuden deutlich mehr Ladeinfrastrukturen vorbereitet oder installiert werden.

Für Elektrobetriebe bedeutet das zusätzlichen Bedarf bei Planung, Installation und Energiemanagement rund um Ladeinfrastruktur und Elektromobilität.

Auch das Thema Energy Sharing gewinnt ab Juni 2026 deutlich an Bedeutung. Haushalte sollen dann selbst erzeugten Solarstrom einfacher an andere Haushalte weitergeben können. Dadurch entsteht zusätzlicher Beratungsbedarf bei Messkonzepten, Lastmanagement, Netzanschluss und intelligenter Steuerung.

Parallel dazu bleibt auch der Ausbau der Photovoltaik auf hohem Niveau. Laut Agora Energiewende wurden 2025 weiterhin hohe Ausbauzahlen erreicht. Gleichzeitig schaffen neue Genehmigungen die Grundlage für zusätzliche Projekte in den kommenden Jahren.

Damit verändern sich auch die Anforderungen an viele Elektrobetriebe. Themen wie Energiemanagement, intelligente Gebäudetechnik, Ladeinfrastruktur und Systemintegration entwickeln sich zunehmend zu zentralen Geschäftsfeldern.

Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des ZVEH, beschreibt diese Entwicklung so:

„Die Energiewende ist eine wirtschaftliche Chance. Die Elektrotechnik ist ein zentrales Handlungsfeld der Energiewende. Mit Gebäudesystemintegration und Energiemanagement stehen wir vor großen Aufgaben".

 

Warum Fachkräfte weiterhin ein entscheidender Faktor bleiben

Neben der verhaltenen Marktlage bleibt der Fachkräftemangel eines der wichtigsten Themen im Elektrohandwerk. Von dieser Entwicklung bleibt das E-Handwerk nicht verschont.

Laut ZVEH Frühjahrskonjunkturumfrage 2026 melden weiterhin 46 Prozent der Betriebe offene Stellen. Gleichzeitig sinkt die allgemeine Einstellungsbereitschaft leicht. Viele Unternehmen agieren aktuell vorsichtiger bei Neueinstellungen und Investitionen. Der grundsätzliche Bedarf an qualifizierten Fachkräften bleibt jedoch bestehen.

Hinzu kommt der demografische Wandel. Laut Institut der deutschen Wirtschaft gehen bis 2036 rund 16,5 Millionen Babyboomer in Rente, während deutlich weniger junge Erwerbspersonen nachrücken.

Gerade deshalb werden Mitarbeiterbindung, Weiterbildung und Arbeitgeberattraktivität für viele Elektrobetriebe zunehmend zu strategischen Themen.

Wie erfolgreiche Betriebe bereits heute mit diesen Herausforderungen umgehen, zeigt auch unser Beitrag zum ELMAR Arbeitgeber 2025. Dort wird unter anderem deutlich, warum Teamkultur, Mitarbeiterentwicklung und Sichtbarkeit für moderne Elektrobetriebe immer wichtiger werden und wie Betriebe diese Themen konkret im Alltag umsetzen.

 

Was das für Geschäftsführer heute bedeutet

Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, welche Themen für Elektrobetriebe in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.

1. Mitarbeitende halten und weiterentwickeln

Qualifizierte Fachkräfte bleiben ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Betriebe, die heute in Weiterbildung, Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur investieren, schaffen wichtige Grundlagen für die kommenden Jahre.

2. Technische Kompetenz gezielt ausbauen

Themen wie GEIG, Energy Sharing, Ladeinfrastruktur und Gebäudesystemintegration entwickeln sich zunehmend von Zukunftsthemen zu konkreten Geschäftsfeldern.

Betriebe, die sich frühzeitig technisches Know how aufbauen und ihre Mitarbeitenden gezielt weiterentwickeln, schaffen sich dafür eine starke Ausgangsposition.

3. Sichtbarkeit strategisch nutzen

Ruhigere Marktphasen bieten vielen Betrieben die Möglichkeit, Themen anzugehen, für die im hektischen Tagesgeschäft oft wenig Zeit bleibt.

Dazu gehören:

  • Arbeitgebermarke
  • digitale Sichtbarkeit
  • Social Media
  • Kundenkommunikation
  • Positionierung als moderner Fachbetrieb

Denn genau diese Themen beeinflussen zunehmend, wie Betriebe von Kunden, Partnern und potenziellen Mitarbeitenden wahrgenommen werden.

Gerade in einem Markt, der sich strukturell verändert, wird Sichtbarkeit immer stärker zum Wettbewerbsvorteil.

Mit dem ELMAR zeichnet Elektromarken. Starke Partner jedes Jahr Unternehmen aus, die neue Wege gehen, ihre Stärken sichtbar machen und sich zukunftsfähig aufstellen. Dabei geht es nicht nur um fachliche Qualität, sondern auch um Markenauftritt, Teamkultur, Innovation und nachhaltige Entwicklung. 

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Quellenangaben

ZVEH-Branchenkennzahlen 2025 (vorläufig), Schaltschrankbau-Magazin, 11. Mai 2026: schaltschrankbau-magazin.de/artikel/ein-jahr-der-stagnation

ZVEH-Branchenkennzahlen 2024, Deutsche Handwerks Zeitung, 28. März 2025: dhz.net/e-handwerk-2024-umsatzrueckgang

ZVEH-Frühjahrskonjunkturumfrage 2026, ElektroWirtschaft, 24. Februar 2026: elektrowirtschaft.de/zveh-fruehjahrskonjunkturumfrage-2026

GEIG 2026 — Ladeinfrastruktur Chance Elektrohandwerk, wattsup.de, November 2025: wattsup.de/news/geig-2026-ladeinfrastruktur

Energy Sharing: Eine Chance für das Elektrohandwerk, i-magazin.com, Januar 2026: i-magazin.com/eine-chance-fuer-das-elektrohandwerk

Sonepar Report Nr. 269 (Energy Sharing ab Juni 2026), März 2026: sonepar.de/sonmag-report-269-data.pdf

Neuhäuser-Zitat Energiewende, Light + Building 2026, ElektroWirtschaft, März 2026: elektrowirtschaft.de/light-building-2026-gestartet-branche-im-aufbruch

Agora Energiewende: Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2025: agora-energiewende.de/publikationen/energiewende-stand-der-dinge-2025

IW-Kurzbericht Nr. 78: Die Babyboomer gehen in Rente, IW Köln, Oktober 2024: iwkoeln.de/studien/babyboomer-gehen-in-rente

Themen: ELMAR