Viele kennen sie von Instagram. Als @elektroblondi zeigt Jenna Rist über 120.000 Menschen, wie der Alltag im Elektrohandwerk wirklich aussieht: Baustelle, Schaltschrank, Bohrhammer. Los ging es im Juli 2023 mit dem Gesellenbrief. Kurz darauf fiel die Entscheidung für die Meisterschule, und von da an hat Jenna ihre Community mitgenommen: durch Lernphasen, Prüfungstage und bis zum fertigen Meisterstück, mit allen Höhen und Tiefen.
Wir durften auf diesem Weg immer wieder dabei sein, unter anderem in unseren Instagram Lives. Jetzt ist Jenna Meisterin. Zeit für ein Gespräch über Entscheidungen, Durchhalten und die Dinge, die sie gern früher gewusst hätte.
Juli 2023: Jenna (Mitte) mit ihrem Jahrgang nach der bestandenen Gesellenprüfung. Foto: @elektroblondi
Ich bin extrem froh, dass ich hinter diesen Abschnitt einen Haken machen kann. Zwei Jahre Meisterschule, gefühlt 500 Nervenzusammenbrüche. Aber es lohnt sich.
Über meinen Vater, der arbeitet in der Branche. Ob ich bleibe, hat sich aber erst auf meiner ersten Baustelle entschieden. Da ist so viel passiert, Komisches und Witziges. Ich dachte mir: Wenn es jeden Tag so ist, will ich das für immer machen.
Nach der Gesellenprüfung hattest du einen Job, der dir Spaß gemacht hat. Wann und wie kam der Gedanke an einem Meister ins Spiel?
Im Übernahmegespräch nach der Ausbildung. Ich wurde gefragt, wie ich mir meinen weiteren Weg vorstelle: Möchte ich als Monteurin weiterarbeiten? In welche Abteilung möchte ich? Will ich mich weiterbilden?
Gelernt habe ich Elektronikerin für Betriebstechnik. Dabei geht es vor allem um Schaltschrankbau in der Werkstatt, mit ähnlichen Abläufen im Arbeitsalltag. Während meiner Ausbildung war ich aber auch viel auf Baustellen unterwegs. Das hat mir mehr Spaß gemacht: Gebäudetechnik, unterschiedliche Projekte, immer wieder etwas Neues. Also habe ich im Gespräch gesagt, dass ich gerne in diesen Bereich möchte.
Und dann kam die Frage: „Vielleicht wäre ja der Meister was für dich?“ Wir haben gemeinsam überlegt, ob Teilzeit oder Vollzeit besser zu mir passt, und ich wurde sehr gut beraten.
Teilzeit heißt Meisterschule neben dem Job. Wie sah deine Woche aus?
Montag bis Donnerstag habe ich gearbeitet, Freitag und Samstag war ich in der Meisterschule am etz Stuttgart. Das ging rund zweieinhalb Jahre so. Auf dem Plan standen unter anderem E-Mobilität, Photovoltaik, Kälte- und Klimatechnik, Automatisierungstechnik und die Grundlagen. Für mich hatte das einen großen Vorteil: Ich war weiterhin im Arbeitsalltag und konnte bei Fragen direkt auf meine Kollegen und Ausbilder zugehen.
Du sagst von dir selbst, du bist kein Lerntyp. Wie hast du den Stoff trotzdem in den Kopf bekommen?
Ich kann mir Sachen weder schnell merken noch fällt mir das Lernen leicht. Ich muss mir vieles wirklich erarbeiten. Was mir geholfen hat, war vor allem Fleiß – und ein kleiner Trick: Ich habe mir zu jedem Thema ein Hörbuch erstellen lassen, immer mit einem Praxisbeispiel. Wir Handwerker sind Praktiker, keine Theoretiker. Wenn ich etwas mit der Praxis verbinden kann, bleibt es bei mir einfach besser hängen.
Theorie und Praxis sind getrennt. Die Theorie war im Januar und Februar, fünf Prüfungstage. Für die Praxis plant man vorher eine eigene Anlage und baut sie in der Prüfung auf. Bei mir waren das drei Tage Ende März. Am dritten Tag kommt die Abnahme mit Messungen nach DIN VDE 0100-600 und 0701/0702, danach das Fachgespräch. Meine Anlage wurde direkt nach der Prüfung wieder zerlegt. Deshalb gibt es von meinem Meisterstück nur ein paar Fotos.
Klar. Der Meister ist nicht einfach. Solche Tage gehören dazu, aber Ehrgeiz und Wille überwiegen. Wichtig ist: Der Meister ist kein Alleingang. Sucht euch einen Lernpartner, der euch motiviert und auch mental auffängt. Das hat mir am Ende extrem geholfen, an mich selbst zu glauben.
Und wenn die Zeit knapp wird?
Dann bleibt gechillt. Das klingt komisch, aber Hektik macht alles nur stressiger. Fangt früh an und macht euch einen Plan. Und fasst den Stoff zeitnah in euren eigenen Worten zusammen, nicht erst kurz vor der Prüfung.
Alleine kommt man oft nicht weit: Jenna mit Kollegen über dem Bauplan. Foto: @elektroblondi
Verantwortung übernehmen. Mein Wissen weitergeben. Neue Technologien anwenden. Den nächsten Schritt in die Zukunft gehen. Und ganz praktisch: Mit dem Meister darf ich selbst ausbilden. Ich möchte junge Menschen fürs Handwerk begeistern. Dafür ist der Meister das richtige Werkzeug.
Was sagst du jemandem, der gerade überlegt, den Meister zu machen?
Der Meister ist nicht einfach. Aber mit Fleiß, Unterstützung und Motivation bekommt das jeder hin.
Das hätte sie gern vorher gewusst. Zum Abschreiben und an die Werkstattwand hängen.
Jenna hatte einen Betrieb, der gefragt hat, was sie will, und der sie durch die Meisterschule begleitet hat. Nicht jede und jeder hat das.
Genau deshalb gibt es das Meisterstipendium der Elektromarken. Starke Partner: 7.000 Euro für zehn Elektrogesell*innen im Jahr, die ihren Meister machen. Seit elf Jahren, 110 Stipendiat*innen bisher.
Wenn Sie Ihre Gesellenprüfung bestanden haben und Ihre Meisterausbildung zwischen Dezember 2025 und März 2027 beginnt, können Sie sich bis zum 30. September 2026 bewerben.
Alles Weitere finden Sie auf der Stipendiumsseite.